Die Afghanistan Pläne von US-Präsident Trump

Die Afghanistan Pläne von US-Präsident Trump

Vorbemerkung

Am 21.August verkündete US Präsident Trump in einer Rede zur Nation seine Pläne für Afghanistan. Er hielt diese Rede in Arlington in unmittelbarer Nähe des größten amerikanischen Soldatenfriedhofs, auf dem sicherlich auch viele der bislang fast 4.000 in Afghanistan gefallenen US-Soldaten ,mit militärischen Ehren zu Grabe getragen wurden.
Der nachfolgende Beitrag beschäftigt sich auf der Basis der Kernaussagen des US-Präsidenten mit der Frage, was an diesen Plänen wirklich neu ist, ob man also von einem echten Strategiewechsel sprechen kann und welche Erfolgsaussichten damit verbunden sein könnten.

Die Kernaussagen in den Afghanistan Plänen von US-Präsident Trump
Zunächst ist festzustellen, dass Präsident Trump in seinen Afghanistan Plänen eine Kehrtwende um 180 ° vollzogen hat, wie er selbst eingesteht, indem er sagt: “ My original instinct was to pull out. And historically, I like following my instincts.“
Und es ist eine erstaunliche Selbsterkenntnis, wenn er feststellt: „But all my life I’ve heard that decisions are much different when you sit behind the desk in the Oval Office, in other words, when you’re president of the United States.“ Nach intensiven Beratungen mit seinen Generälen kommt er unter dem Aspekt von „America’s core interests in Afghanistan“, zu folgenden entscheidenden Erkenntnissen :
“ First, our nation must seek an honorable and enduring outcome worthy of the tremendous sacrifices that have been made, especially the sacrifices of lives. …
• Second, the consequences of a rapid exit are both predictable and unacceptable. 9/11, the worst terrorist attack in our history, was planned and directed from Afghanistan because that country was ruled by a government that gave comfort and shelter to terrorists. A hasty withdrawal would create a vacuum for terrorists, including ISIS and Al Qaeda, would instantly fill just as happened before Sept. 11. And as we know, in 2011, America hastily and mistakenly withdrew from Iraq. As a result, our hard-won gains slipped back into the hands of terrorist enemies. ….
• Third, and finally, I concluded that the security threats we face in Afghanistan and the broader region are immense. Today, 20 U.S.-designated foreign terrorist organizations are active in Afghanistan and Pakistan, the highest concentration in any region anywhere in the world…“
Als Konsequenz daraus nennt Trump keinen Zeitpunkt mehr für einen Truppenabzug der USA aus Afghanistan und zieht sogar eine Verstärkung der bislang 11.- 12.000 US Soldaten in Erwägung. Die Rede ist von bis zu 4.000 Mann.
Die US Soldaten sind bislang weiterhin im Rahmen von zwei verschiedenen Operationen in Afghanistan eingesetzt. Knapp 10.000 Mann sind Teil der NATO-Unterstützungsoperation „Resolute Support Mission“ , die am 1. Januar 2015 als Nachfolge der „Internationale Security Assistance Force“ (ISAF) begonnen hatte.
Die restlichen US- Truppen sind in der ausschließlich amerikanischen Operation „Freedom’s Sentinel“. eingesetzt. Auch diese rein amerikanische Operation hatte mit der Operation „Enduring Feedom“ bereits eine Vorgängerin. Während es in der NATO- Operation „Resolute Support“ darum geht, die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden, zu beraten und zu unterstützen, bekämpfen US-Soldaten in der Operation „Freedom´s Sentinel“ terroristische Gruppen in Afghanistan.
Der damalige US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hatte dazu am 28. Dezember 2014 erklärt:
„At the end of this year, as our Afghan partners assume responsibility for the security of their country, the United States officially concludes Operation Enduring Freedom. Our combat mission in Afghanistan, which began in the aftermath of the September 11, 2001 attacks, will come to an end.
In 2015, we begin our follow-on mission, Operation Freedom’s Sentinel, to help secure and build upon the hard-fought gains of the last 13 years…. In Operation Freedom’s Sentinel, the United States will pursue two missions with the support of the Afghan government and the Afghan people. We will work with our allies and partners as part of NATO’s Resolute Support Mission to continue training, advising, and assisting Afghan security forces. And we will continue our counterterrorism mission against the remnants of Al-Qaeda to ensure that Afghanistan is never again used to stage attacks against our homeland.“
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was ist neu, abgesehen davon, dass es keinen Zeitpunkt mehr für den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan gibt, wenn Präsident Trump den Auftrag seiner Soldaten in dem markigen Satz zusammenfasst:
“We are not nation-building again. We are killing terrorists.“

Bewertung und Einschätzung der Aussagen des US Präsidenten

Im Mai 2014 hatte der damalige US-Präsident Obama für das Ende 2014 angekündigt: „The United Statesa will conclude its combat mission in Afghanistan“. Vor dem Hintergrund der damaligen Entwicklung im Irak und in Syrien musste Obama seine Aussage auf Anraten seiner Generäle bereits im November 2014 zurücknehmen. Die Washington Times berichtete dazu: „President Obama decided in recent weeks to authorize a more expansive mission for the military in Afghanistan in 2015 than originally planned, a move that ensures American troops will have a direct role in fighting in the war-ravaged country for at least another year…. : “The new authorization also allows American jets, bombers and drones to support Afghan troops on combat missions….The president’s order under certain circumstances would also authorize American air strikes to support Afghan military operations in the country and ground troops to occasionally accompany Afghan troops on operations against the Taliban.”

Die USA haben als auch nach 2014 im Rahmen rein amerikanischer Operationen weiter Terroristen in Afghanistan bekämpft. Dazu gehören nicht nur die Taliban, sonder auch das Haqhani-Netzwerk, Al-Quaida und natürlich auch der IS. In diesem Punkt sind also die Pläne von Trump nicht neu. Neu scheint allerdings zu sein, dass die USA den Schwerpunkt ihrer Einsätze verschieben wollen, also weg von der Unterstützung Afghanistans bei der Gestaltung der Zukunft des Landes- denn nichts anderes ist „Nation Building“ !- hin zur Bekämpfung des Terrorismus in Afghanistan bei gleichzeitiger Einbeziehung Pakistans.

Ob man insgesamt von einer neuen Strategie sprechen kann, muss bezweifelt werden. Feststellen kann man allerdings, dass es mit den Plänen des US Präsidenten auch in Zukunft keinen dauerhaften militärischen Erfolg in Afghanistan geben wird.
Bereits in der Vergangenheit war es ein entscheidender Fehler, sich schwerpunktmäßig auf militärische Aktionen zu beschränken und dabei das „Nation Building“ zu vernachlässigen. Ohne tragfähige zivile Strukturen, die in einem von Stämmen geprägten Land nur von unten nach ob aufgebaut werden können und nicht mit einem zentralen Ansatz von Kabul aus, wird eine Stabilisierung des Landes nicht gelingen. Mittlerweile sind die Taliban mehr oder weniger wieder in 30 von 34 Provinzen präsent. Die Sicherheitslage hat sich kontinuierlich verschlechtert, und die afghanischen Sicherheitskräfte sind dieser Entwicklung nicht gewachsen. Vom 1. März 2017 -31. Mai 2017 sind die s.g. „Security Incidents“ nach UN-Angaben um 21 % gestiegen. Nach einem Report des US Special Inspector General for Afghan Reconstruction´s (SIGAR´s) sind vom 1. Janur 2017 – 8. Mai 2017 2.531 afghanische Sopldaten gefallen und weitere 4.238 wurden verwundet.
Die einzige noch verbleibende Chance für Afghanistans besteht vielleicht darin, unter Führung der UN endlich eine gemeinsame Zukunftsstrategie zu entwickeln. Dazu müssten auf der afghanischen Seite außer der Regierung auch die Taliban und Vertreter des Haqhani-Netzwerks mit an den Tisch .
Eine militärische Lösung gibt es für Afghanistan nicht, schon gar nicht durch einen US-Präsidenten Trump, der bei der Verkündung seiner Afghanistan Pläne von sich selbst in der gewohnten Vollmundigkeit sagte:
„But one way or another, these problems will be solved. I’m a problem solver. And in the end, we will win.“

Greven, den 2. September 2017

gez.

Jürgen Hübschen

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Über Jürgen Hübschen

Jahrgang 1945, Oberst a.D. der Luftwaffe
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